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Laserparodontologie

Studie eines Grenzfalles

 

Am 29.06.2003 erschien eine 48-jährige Patientin in meiner Praxis, die von ihrer Zahnärztin

"austherapiert" war. Trotz aller Bemühungen war es ihr nicht  gelungen, die Parodontitis am Zahn

46 zu beseitigen, die, durch den fehlenden Approximalkontakt begünstigt, aufgetreten war. Die

Patientin  klagte über ständige, mittelstarke Schmerzen. Auf Druck entleerte sich reichlich Pus.

Die Kollegin wußte sich keinen Rat mehr und da ihr bekannt war, dass ich parodontale Eingriffe

mit einem Diodenlaser durchführe, bat sie um eine Übernahme der Behandlung.

Das Röntgenbild an diesem Tag zeigte eine tiefe Tasche an der distalen Radix mit erheblicher interradikulärer Aufhellung. Die Taschentiefe betrug 11 mm. Der Apex war maximal noch ca. 1mm von Alveolarknochen umgeben (Abb.1)

In einem Gespräch klärte ich die Patientin über die geringen Erfolgschancen einer Parodontal- behandlung auf und versprach ihr,so oft als möglich und nötig diesen Zahn zu behandeln, um auch die geringste Chance auf Heilung bzw. Besserung zu nutzen.

Für den Eingriff verwendete ich  einen Diodenlaser mit 980 nm Wellenlänge mit einer, im Parodontalprogramm empfohlenen Leistung von 3 Watt.

Am 08.07.2003, am 26.08.2003 und am 09.10.2003 entfernte ich mittels Laserscaling das Taschenepithel. Nach anschließender Wurzelglättung und Konkremententfernung unter moderatem Einsatz eines Hartmetallfinierers (H379200.018 Komet-Lemgo) versorgte ich die Wunde mit Gengigel (Merz).

Auf dem Röntgenbild vom 14.10.2003 ist schon ein Stillstand der Parodontitis und ein leichter Knochenaufbau sowohl am Apex der distalen Radix als auch interradikulär festzustellen (Abb.2).

Zwei weitere Einsätze des Diodenlasers verliefen für die Patientin völlig komplikations- los. Das am 20.04.2004angefertigte Röntgenbild zeigt einen erheblichen Knochenaufbau von ca. 3-4mm an der distalen Radix sowie interradikulär, wobei die Qualität des entstandenen Knochens, gekennzeichnet durch horizontale Trabekel besondere Beachtung verdient (Abb.3).

Auch 2 Jahre nach Beginn der Behandlung ist der Zahn 46 völlig beschwerdefrei.

Er ist klinisch fest, voll belastbar und weist keinerlei gingivale Irritationen auf. Die Patientin unterzieht sich vierteljährlich einer professionellen Zahnreinigung. Wie das Röntgenbild vom 10.06.2005 (Abb.4) zeigt, ist die aufgebaute Knochenstruktur inzwischen von der ihrer Umgebung nicht mehr zu unterscheiden.

Die Lasereingriffe wurden von der Patienten ohne nennenswerte Nachbeschwerden toleriert und dankbar angenommen, obwohl zu Beginn der Behandlung noch nicht vom Erhalt des Zahnes ausgegangen werden konnte.In den 5 Jahren, in denen ich diese Form der Laserparodontaltherapie durchführe ist es in nicht einem einzigen Fall zu irgendeiner klinisch feststellbaren Schädigung der parodontalen Strukturen wie Wundheilungsstörun- gen, Pulpitiden, Periostitiden oder ähnlichem gekommen. In allen Fällen reagierten die Patienten sehr aufgeschlossen und waren von den geringen Nachbeschwerden und guten Ergebnissen beeindruckt.

Ich möchte diesen Fall zum Anlass nehmen, um allen Kollegen Mut zu machen, ihre eigenen Erfahrungen mit neuen Therapien zu machen, unabhängig vom wechselnden akademischen Gegenwind. Die Laser-Parodontal-Therapie ist nicht die erste Therapie, die von „Meinungsführern” beargwöhnt wird. Sie wird sich wegen ihrer hohen Akzeptanz bei Ärzten und Patienten und ihrer schonenden und einfachen Handhabung und ihrer Effektivität im Laufe der nächsten Jahre durchsetzen.

Gerade wir Praktiker in der sogenannten Peripherie sollten ein Therapiekonzept, welches von uns und den Patienten als richtig erkannt und akzeptiert wurde, auch gegen Widerstände weiterverfolgen.

    

   

      

           Abb.1                       Abb. 2                     Abb. 3                     Abb. 4

 

Dipl.-Stomatologe Hartfried Pietz, Marktstrasse 43-44, 37441 Bad Sachsa,

3.Aug.2005

 

  

 

Nachbetrachtung

 

Nach sieben Jahren erschien die Patientin wieder in meiner Praxis. Der Zahn wurde inzwischen endodontisch versiegelt und mit einer CEREC-Krone versorgt.

Das Ergebnis kann sich, geht man von der ursprünglichen Extraktionsindikation aus, sehen lassen.

 

               

 

Abb. 5     Ausgangszustand                      Abb. 6  Zustand nach ca.7 Jahren   

 

 

Dipl.-Stom. Hartfried Pietz, Marktstrasse 43-44, 37441 Bad Sachsa , 13. Juni 2010

 

 

 

                

                                

Zahnarzt Dipl.- Stom. Hartfried Pietz | zapietz@t-online.de